Mit Chlebíčky, entlang der Elbe und Bahnfahrt durch Böhmen
Der Morgen beginnt am Hauptbahnhof in Dresden, von wo man an Wochenende mit dem RE20 („Bohemica Sprinter“) Richtung Tschechien aufbrechen darf, von April bis Oktober. Diese Zugverbindung ist nicht nur praktisch, sondern auch landschaftlich reizvoll: Sie folgt dem Lauf der Elbe durch das sächsisch-böhmische Mittelgebirge, passiert Burgen, Weinberge und kleine Orte, die wie Postkartenmotive wirken. Unterwegs zu Wanderzielen bis in die Daubaer Schweiz.
Die Fahrt bis Litoměřice dauerte rund zwei Stunden. Dort stieg ich um, am Stadt-Bahnhof Litoměřice město an der Elbe, einem charmanten Kleinbahnhof mit alter Substanz und dem typischen Flair tschechischer Provinzstädte.
🥪 Brotzeit in Litoměřice – Chlebíčky & Bahnhofsgeschichten
Eine knappe Stunde Zeit bis zur Weiterfahrt um 10:30 Uhr – genau richtig für eine kleine „Brotzeit“ im böhmischen Stil. Gleich
gegenüber am Bahnhof gab es einen kleinen Imbiss, wo man zwei Chlebíčky kaufen kann: üppig belegte Baguettescheiben mit Eiersalat, Schinken, Käse, saurer Gurke und Paprika. Ein einfacher
Genuss, aber einer, der für mich untrennbar mit Tschechien verbunden ist. Ich setzte mich auf eine Bank auf dem Vorplatz, ließ die Atmosphäre wirken und sah den Zügen zu – ein Moment voll
Stille und Zufriedenheit, bis der Zug aus Usti nad Labem zum Einsteigen kam.
🍺 11:15 Uhr – Všetaty: Kleine Brotzeit mit Breznák
Der Anschlusszug brachte mich nach Všetaty, wo ich 45 Minuten Aufenthalt hatte. Die perfekte Gelegenheit für ein kühles
Breznák-Bier in der „Lokobar“, direkt gegenüber vom Gleis. Die Kneipe ist ein echtes Stück tschechische Bahnkultur – im Fachwerk-Stil und etwas Patina, rustikalen
Holzbänken mit Flair und böhmischer Seele. Ideal, um auf seinen Zug zur Weiterreise warten zu können .. von der Moldau.
Nach nur etwa 30 Minuten Fahrt erreichte ich Mladá Boleslav, mit Umstieg zum Stadt-Bahnhof. Kaum ausgestiegen, steht man gleich vor dem imposanten Škoda-Museum, das derzeit mit einer Sonderausstellung „130 Jahre Škoda“ lockt. Daneben glänzen die großen Fenster der Ausstellungsräume des Verkehrsmuseums – ein Gruß aus einer Zeit, als Mobilität noch aus Dampf, Stahl und Idee bestand. Sicher ein empfehlenswerter Besuch für die tschechische Auto-Geschichte ..
Am Museum weiter gerade aus in die kleine Innenstadt, bog ich am Kreisverkehr links ab und tauchte bald erneut ein, in den doch relativ stillen und grünen Stepánka-Park, dem ich an der Klenice entlang folgte. Der kleine Fluss schlängelt sich friedlich hindurch – begleitet von Bäumen, Bankreihen, Spielplatz und Spaziergängern mit Hund oder Kind.
Mein ursprüngliches Ziel war die eMBe-Brauerei, bekannt für ihr rustikales Ambiente, das hauseigene Bier und deftige Küche. Leider blieb mir diesmal nur ein trauriger Blick durchs Fenster – (nicht nur Pfingst-) Montag ist Ruhetag.
Doch die Stadt enttäuscht nicht. Der blaue Wanderweg (modrá turistická značka) führte mich vom Park aus hinauf über einen kleine n Treppenaufgang zur Heiligen-Jan-Nepomuk-Kirche, weiter zum Rathaus und schließlich auf den Marktplatz. Kopfsteinpflaster, Stadthausfassaden und Brunnen und Wasserspiel als Verlauf der Iser, wie sie aus dem Gebirge hierhin fließt.
Unweit des Platzes lockt das Hotel Zámek (Schlosshotel) mit angenehmem Innenhof. Dort gönnte ich mir schließlich doch noch mein heiß ersehntes Gulasch mit Knödeln, dazu ein alternatives Kozel in der Flasche aus Velke Popovice – die perfekte Kombination aus Tradition, Geschmack und Ausblick. Ein spontaner Ausflug.
🚲 Mit dem Nextbike zum Bahnhof
Wenig später holte ich mir über die App eines der neuen Nextbike-Räder, die auch hier verstreut verfügbar sind, und rollte gemütlich die leicht
abfallende Straße zurück zum Bahnhof. Über den Markt, an der Brauerei und an der Iser. Der
Wind warm, die Sonne weich – ein Moment, den man in solch ein Blogeintrag für eine Empfehlung mit Fotos für Eindrücke festhalten kann ..
Rückfahrt via Česká Lípa
Pünktlich um 16:37 Uhr fuhr mein Zug ab – über Doksy und Staré Splavy nach Česká Lípa, wo ich nur kurz umsteigen musste. Mit dem Elbe-Labe-Ticket, das am Abend auch zurück bis Dresden gilt, ging es dann weiter nach Děčín, schließlich mit der U28 nach Bad Schandau und via S-Bahn nach Hause.
Elbe-Labe-Ticket: 25,70 € → gültig bis Mělník, auch abends zurück ab Česká Lípa
Středočeský celodenní jízdenka (Mittelböhmen-Tagesticket):
80 CZK (ca. 3,25 €) → direkt im Zug bei der Zugbegleiterin ab Litoměřice erhältlich
💡Profi-Tipp: Wenn das Elbe-Labe-Ticket tagsüber nicht abgestempelt wird, lässt es sich eventuell für einen späteren Ausflug nochmals verwenden .. 😉 *pssst* .. Viel Spass, unterwegs entlang der Elbe und Iser.
Fazit: Ein entspannter, erlebnisreicher Feiertag mit viel Charakter – perfekt zwischen Bahnsteigen, Bier und barocker Kulisse. Und mit unter 50 Euro Budget ein echter Beweis, dass große Erlebnisse oft in kleinen Bahnhöfen beginnen.
