Von Rebe zu Rebe – Weinwandern durchs Sächsische Elbtal

Ein persönlicher Streifzug durch Sachsens Weinhänge zwischen Meißen, Coswig und Radebeul

Zwischen sanften Hügeln, steilen Terrassen, historischen Orten und der weiten Elbe liegt Sachsens kleines, aber feines Weinanbaugebiet. Von April bis Oktober entfaltet sich hier der Zauber der Reben: Straußwirtschaften öffnen, Weinberge leuchten, Winzer erzählen – und man selbst wandert mit allen Sinnen. Die perfekte Kombination aus Natur, Genuss und Kultur – und bequem erreichbar mit der S-Bahn im VVO ..

Wo Sachsens Weinkultur zuhause ist


Die Tour beginnt am S-Bahnhof Meißen, gern mit einem Abstecher zur Winzergenossenschaft am Bennoweg, wo sich der Blick auf die Albrechtsburg eröffnet – ein erster Vorgeschmack auf das, was kommt. Schon 1161 wurde hier der Weinbau erstmals urkundlich erwähnt – bis heute prägt sie das Stadtbild und die Seele dieser Region an der Elbe im Freistaat.


Vom Bahnhof geht’s per StadtBus zum Kapitelberg (Haltestelle Oberspaarer Straße), einem traditionsreichen Weinberggebiet mit fantastischem Elbblick. An der Dresdner Straße befinden sich zwei erste Highlights:

  • Das Weingut Martin Schwarz, geführt vom ehemaligen Kellermeister des Fürstlich Castell’schen Weinguts Schloss Proschwitz, überzeugt mit eleganten Burgundern und charakterstarken Cuvées.
  • Gleich daneben betreibt Steffen Schabehorn seinen urigen Weinausschank – ein echter Geheimtipp, besonders zu den „Tagen des offenen Weinguts“ Ende August (#SdoW2025), wenn sich Sachsens Winzerhöfe tradionell für alle Weinfreunde öffnen.

Ein Reben-Pfad führt zwischen Rebstöcken zum Weingut Mariaberg. Hier bewirtschaftet Anja Fritz ihre steilen Terrassenlagen mit ökologischer Leidenschaft. Ihre Weine spiegeln das Mikroklima und den Boden  authentisch wider.

Winzerleidenschaft & Familienbetriebe: Ricco Hänsch und Vincenz Richter

Nur wenige Minuten weiter liegt das Weingut Ricco Hänsch – jung, mutig, traditionell. Hier trifft neue Winzergeneration auf historische Rebsorten. Ein Stück darunter befindet sich das historische Weingut Vincenz Richter, ein Fachwerkhaus mit über 600 Jahren Weintradition. In der gemütlich modernen Probierstube gibt’s Klassiker wie Goldriesling, Traminer oder Elbling – echte sächsische Typen, charmant und kantig zugleich.

Coswig & Talkenberg: Einstieg in den Roten-Punkt-Rundweg

Vom nahegelegenen Bus 401 (Haltestelle bei Vincenz Richter) geht es nach Coswig, wo das nächste Juwel wartet: das Weingut Matyas, ein Familienbetrieb mit ungarischen Wurzeln. Die Weine sind handgemacht, ehrlich, mit Charakter – vor allem die Rotweine lohnen den Umweg.
Hier beginnt auch der Einstieg in den markierten Rundwanderweg „Meißen – Schmilka“ (Roter Punkt). Vom Talkenberg genießt man einen weiten Blick über die Weinhänge von Coswig im Elbtal – das ist Sachsen wie aus dem Bilderbuch.


Der Weg führt hinein in den ruhigen, naturbelassenen Rietzschkegrund, wo die Straußwirtschaft Rößler mit hausgemachten Speisen und regionalem Wein lockt – ein echter Wohlfühlort, abseits vom Trubel. Ab hier wandert man weiter zum Lindenauer Bachlauf, einem versteckten Pfad, der sich durch ein schattiges, grünes Tal zieht. Das leise Plätschern begleitet sanft – bald mündet dieser Pfad in den Lößnitzgrund, eine der romantischsten Passagen der Tour.

Das Ziel dieses Abschnitts ist die liebevoll wiederbelebte Meierei Radebeul – Treffpunkt für Wanderer, Weinfreunde, Kunstliebhaber. Man sitzt unter alten Bäumen, genießt Wein oder Kaffee und möchte am liebsten für immer bleiben. Wer noch Energie hat, folgt dem Bilz-Wanderweg (Gelber Punkt) – er trifft hier erneut auf den Roten Punkt-Rundweg. Schon nach kurzer Zeit erreicht man die legendäre Straußwirtschaft Paradies. Der Name ist Programm: Lauschige Plätze unter Weinlaub, einfache Weine direkt vom Fass, ehrliche Gespräche. Mehr braucht es nicht zum Glück.

Finale in Radebeul: Wein, Theater, Geschichte

Vom Wasserturm Radebeul führt ein gemütlicher Abstieg zur Moritzburger Straße und direkt ins Herz von Altkötzschenbroda („Altkö“) – dem vielleicht charmantesten Ortsteil Radebeuls. Kopfsteinpflaster, Winzerschänken, Lokale, Galerien – ein Ort zum Ankommen, Versacken, Verlieben ..

Zum Ausklang vielleicht noch ein Glas Federweißer oder eine klassische Weinprobe in einer der vielen romantischen Hofwirtschaften? Und wer noch Lust auf einen letzten Abstecher hat: mit der Straßenbahnlinie 4 (Haltestelle Borstraße) zu den Landesbühnen Sachsen, dort umsteigen in den Bus 72 Richtung Klotzsche/Langebrück – und sich vom Weinküfermeister Bönsch in Niederwartha sein kleines, feines Sortiment zeigen lassen. Ein echter Geheimtipp.